Dr. Christoph Specht im Interview mit der Therme Erding

Das Coranavirus breitet sich in Deutschland immer weiter aus. In letzter Zeit haben uns daher viele Fragen zu dem Thema erreicht. Wir konnten den renommierten Arzt und Medizinkorrespondenten Dr. Christoph Specht für ein klärendes Interview gewinnen und haben mit ihm alle Fragen zum Thema Thermenbesuch besprochen.

 

Frage 1: Herr Dr. Specht, wie beurteilen Sie das generelle Risiko einer Ansteckung in einem Schwimmbad, insbesondere in einem Thermalbad?

Dr. Specht: Zum Ablauf der Infektion sei gesagt: Das Coronavirus ist wie alle anderen Erkältungsviren auch, ein Virus, welches über die Tröpfcheninfektion verbreitet wird. Dies bedeutet, dass bei jedem Sprechen, Reden, Singen, Niesen und Husten kleine, nicht immer sichtbare Tröpfchen aus unserem Mund oder unserer Nase herauskommen. In diesen kleinen Aerosol-Tröpfchen befinden sich die Viren. Diese gelangen jetzt beim möglicherweise Nächsten irgendwo in die Schleimhäute, also an die Lippen, Augen, den Mund, die Nase und von dort aus finden sie ihren Weg, sich vermehren zu können.

Das Schwimmbad an sich ist kein spezifischer Ansteckungsort mit einem höheren Risiko. Anstecken können wir uns überall da, wo viele Menschen zusammen kommen und dichter beieinander stehen. Dies gilt erst recht in öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen die mögliche Übertragung der Viren bzw. das Infektionsrisiko durch den relativ engen Kontakt zu den Mitmenschen durchaus wahrscheinlicher ist. Im Schwimmbad besteht dahingehend kein spezifisches Infektionsrisiko. Die Fahrt im Bus zum Thermalbad ist mit Sicherheit mit einem höheren Ansteckungsrisiko verbunden, als der Besuch in einem Thermalbad selbst. Insbesondere kommt bei einem Thermalbad noch die Temperatur hinzu. Wir wissen, dass die Coronaviren, wie alle anderen üblichen Erkältungsviren auch, die Kälte lieben und die Wärme nicht gut vertragen.

 

Frage 2: Wie wahrscheinlich ist eine Ansteckung über das temperierte Thermalwasser mit Durchschnittswerten von rund 34 Grad? Können Sie diesen Weg der Übertragung eventuell sogar ausschließen?

Dr. Specht: Coronaviren übertragen sich wie alle anderen Grippe- und Influenzaviren nicht über das Wasser. Es sind keine Wasserviren, die irgendwo rumschwimmen und dann z.B. an die Lippen bzw. Schleimhäute gelangen oder durch z.B. ein versehentliches Verschlucken des Thermalwassers über den Mund übertragen werden können. So funktioniert die Ansteckung nicht. Hinzu kommt, dass die Coronaviren keine Wärme mögen. Kälte mögen sie viel lieber und da halten sie sich auch dementsprechend länger. Je wärmer es wird, dies ist nun auch die große Hoffnung, umso stärker wird sich hoffentlich das Problem nach unten bewegen. Dies bedeutet, umso höher die Außentemperaturen werden, desto schlechter wird sich auch das Coronavirus verbreiten können. Das ist zu mindestens die einhellige Hoffnung und Meinung der meisten Virologen. Ganz eindeutig, um es nochmal zu sagen – über das Wasser wird das Coronavirus nicht übertragen.

 

Frage 3: Würden Sie als erfahrener Reisemediziner und Tropenexperte in der jetzigen Phase ein Thermalbad aufsuchen?

Dr. Specht: Ich hätte überhaupt kein Problem damit, jetzt ein Thermalbad aufzusuchen. Das Thermalbad hat kein spezifisches Infektionsrisiko. Eine Ansteckung bzw. Übertragung über das Wasser schließe ich komplett aus. Es geht nur über Mensch zu Mensch, wenn diese eng beieinander sind und möglicherweise über den direkten Kontakt mit Oberflächen. Hier gilt das Gleiche wie zum Beispiel in der Fußgängerzone: man hält eben ein bisschen Abstand und lässt sich nicht direkt anniesen. Auch wenn man sich selbst in der Gegenwart anderer befindet und niesen muss, sollte man sich wegdrehen.
Das Thermalbad ist ein wunderschöner Ort der Erholung und der Entspannung. Wenn man die ganz normalen Hygieneregeln einhält, dann ist gegen einen Besuch überhaupt nichts einzuwenden.

 

Frage 4: Neben unseren regulären, sehr umfangreichen Hygiene- und flächendeckenden Desinfektionsmaßnahmen stellen wir unseren Gästen und Mitarbeitern überall viruzide Hygiene- und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Ebenfalls wird unser Thermalwasser im Reinigungsprozess nach den bestehenden Vorgaben streng kontrolliert, mit Chlor versetzt sowie Ozon behandelt, sodass eine optimale Wasserqualität garantiert wird. Empfehlen Sie darüber hinaus weitere Schutzmaßnahmen?

Dr. Specht: Schwimmbäder, insbesondere die privat geführten Bäder sind Orte, die die Hygienekontrolle sehr ernst nehmen und stark überwachen. All das sind Maßnahmen, die eine Infektion auch mit ganz anderen Erregern, wie z.B. Bakterien, Pilzen oder andere Viren, sowieso schon sehr weit nach unten reduzieren. Wenn man darüber hinaus nun noch die persönlichen Maßnahmen ergreift, die ebenfalls sehr wichtig sind, dann hat man wirklich alles getan. Dies gilt nicht nur im Schwimm- oder Thermalbad, sondern auch an den alltäglichen Stellen, an denen man mit Menschen in Kontakt tritt. Dies bedeutet, man niest oder hustet die Menschen nicht direkt an, sondern dreht sich weg oder nutzt die Ellenbeuge. Auch wichtig ist der Abstand, den man zu anderen Menschen halten sollte. Hält man sich an diese Regeln, hat man bereits extrem viel getan. Mehr kann man nicht empfehlen.

 

Frage 5: Abschließend wünschen sich unsere Gäste sicherlich noch ein paar wertvolle Tipps für den Umgang mit dem Coronavirus und ob ein derart strikter Eingriff in den Alltag, wie er sich bisher herauskristallisiert, notwendig ist.

Dr. Specht: Es gibt auf der einen die staatlichen/behördlichen und auf der anderen Seite die persönlichen Maßnahmen. Ich empfinde die persönlichen Schutzmaßnahmen als mindestens so wichtig, wie die staatlichen. Wir selber können nämlich selbst ganz viel tun. Wenn wir sogar Glück haben, können wir in diesem Jahr einen relativ glimpflichen Grippewellenausgang verzeichnen. Denn alles was wir jetzt persönlich gegen die Verbreitung des Coronavirus tun, nutzt uns auch im Kampf gegen die Grippewelle. Wenn wir Glück haben, verhindern wir mit den gemeinsamen Maßnahmen nicht nur die Coronavirus-Infektionen, die im individuellen Fall gar nicht vor der Tür stehen müssen, sondern verhindern somit auch die Grippeinfektion.

Mein Appell an alle Menschen ist daher ganz einfach: Wir tun das, was wir in einer normalen Grippesaison auch verstärkt umsetzen sollten: häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife reicht vollkommen aus. Das Coronavirus hat nämlich eine Hülle, was zunächst einmal sehr stabil klingt. Dem ist aber nicht so, da diese sehr fettempfindlich ist. Wenn somit ein Löser, wie z.B. die Seife ins Spiel kommt, dann werden die Fettmoleküle aufgelöst, das Virus platzt und wird zerstört. Wir müssen nur die Hände richtig und ausreichend waschen. Das Einseifen muss eine Weile andauern, die Hautpartien an den Händen sollten entsprechend flächendeckend eingeschäumt sein und die Zwischenräume sowie die Daumen sollten nicht vergessen werden. Faustformel: ungefähr 2 x Happy Birthday, die ganze Strophe singen, dann hat man die ideale Waschdauer erreicht. Die Handhygiene ist somit der wichtigste und entscheidendste Faktor. Der Rest ist ganz einfach der Umgang miteinander: mehr Abstand als sonst halten und Ruhe bewahren.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit und die Antworten auf unsere Fragen.

 

Foto: Jo Kirchherr

Kommentar verfassen